"Tod im Elefantenklo"

Nina Morettis 3. Fall"

 

Schnell wird klar woran Natascha Watzlaw gestorben ist, deren gefrorene  Leiche an einem kalten Februarmorgen in der Betzdorfer Innenstadt gefunden wird.  „KROK!“       

Eine Designerdroge aus Russland, die ihre Konsumenten bei lebendigem Leib verfaulen lässt.  Doch wer rammte der jungen Frau die Nadel mit der tödlichen Injektion in den Nacken? Was geschah in dieser Nacht am Elefantenklo, wie die Einheimischen den kreisförmigen Aufgang in der Fußgängerzone nennen. Und wie gelangten die russischen Drogen in den Westerwald. Richtig knifflig wird es für Kommissarin Nina Moretti jedoch erst, als der Lebensgefährte einer neuen Kollegin tot aufgefunden wird. Die vier Kugeln die den Kopf des Mannes durchschlugen, stammen eindeutig aus einer Dienstwaffe.

 

Hier eine kleine Leseprobe

Am Fuße der Treppe blieb Nina stehen und beobachte, wie Heike Friedrich den Klingelknopf betätigte. Laut dem selbst gebastelten Schild aus glasiertem Ton neben der Tür, wohnten hier Ralf, Monika, Leon und Jule Koch samt ihrer Katze Peterchen.

 

Der Neubau der Kochs war das letzte Haus in der Offhausener Talstraße und lag genau gegenüber von Oliver Brünners Nobelherberge. Die Tür wurde einen Spalt geöffnet. Durch den Schlitz schaute ein kleines Mädchen. Nina schätzte sie auf fünf oder sechs. Sie trug einen dünnen viel zu langen Pulli und geringelt Strumpfhosen. Dazu Hausschuhe in Form eines Tigergesichts. 

 

„Guten Tag“, sagte die mausgraue Frau Friedrich freundlich und zeigte dem Kind, das sicher noch nicht lesen konnte, ihren Dienstausweis.

„Ist deine Mama oder dein Papa da?“

Die Kleine nickte und fragte dann leise.

„Seit ihr wieder von den Zeugen Jehovas?“

Nina musste sich zwingen wenigstens ein bisschen ernst zu bleiben während die Kollegin Friedrich das Kind mit offenem Mund anstarrte.

„Äh, nein. Wieso?“

Das kleine Mädchen mit den blonden Locken steckte ihren Kopf durch den Türspalt und sagte dann leise aber todernst:

„Der Papa hat gesagt wenn das wieder die Zeugen Jehovas sind soll ich sagen, wir hätten schon einen lieben Gott. Wir bräuchten sonst keinen mehr.“

Nina lachte laut los. Hinter dem Kind rief eine Frauenstimme.

„Julchen wer ist denn da?“

Sekunden später verschwand Julchen und eine sehr schlanke Frau mit Brille und kurzen Haaren öffnete die Tür. Sie schien in etwa in Ninas Alter zu sein und erinnerte sie irgendwie, weshalb auch immer, an Peter Lustig. Diesen komischen Opa mit dem Bauwagen aus dem Kinderprogramm. Vermutlich lag es an der Latzhose die sie trug. Oberkommissarin Mausgrau zeigte ihren Ausweis und stellte Nina vor.

„Ach ja, Sie kommen sicher wegen dem Herrn Brünner von gegenüber.“

Frau Koch bat sie herein. Sie folgten ihr durch die Diele in ein großes Wohnzimmer.

„Entschuldigen sie die Unordnung“, erklärte die Latzhosenmama und deutet ihnen an einem großen Esstisch platz zu neben. Nina sah sich um. Im Grunde war die Wohnung schon irgendwie ordentlich. Würde man sich die geschätzten zwei Zentner Kinderspielzeug, die Buntstifte und Malblätter der lieben Kleinen wegdenken war es sogar sehr ordentlich. Wie es schien wohnten hier Menschen. Nina fand es okay.

„Frau Koch, Sie haben bei den Kollegen gestern Abend ausgesagt, bei ihrem Nachbarn hätte zur Tatzeit ein BMW mit Kölner Kennzeichen geparkt. Frau Koch nickte.

„Ja. Das war aber nicht ungewöhnlich. Bei dem Brünner standen öfter so dicke Benzinfresser.“

„Können sie uns noch weiter Hinweise zu dem Wagen geben. Farbe? Modell?“ Frau Koch verdrehte die Augen.

„Puh. Also er war auf jeden Fall schwarz und ein riesen Trümmer. So eine Limousine wie man sie im Fernseher bei den Gangstern oder Politikern sieht. Der totale ökologische Wahnsinn. Wir kamen wie jeden Samstag aus der Kirche nach heim. Das war so gegen achtzehn Uhr. Da stand der Wagen bei dem Brünner in der Auffahrt.  Das komplette Kennzeichen weiß ich nicht. Der Leon unser Großer der ist sieben. Der wollte wissen was das K auf dem Nummernschild bedeutet. Mein Mann hat ihm erklärt, dass es für Köln steht. Wenn Leon nicht nachgefragt hätte wüssten wir noch nicht mal das es eine Kölner Nummer war.“

Nina beobachtet Julchen die hoch konzentriert auf der Erde lag und auf einem großen Bogen Papier mit Buntstiften herum malte.

„Dürften wir mal mit ihrem Leon sprechen, Frau Koch?“ Die Frau wirkte verunsichert.

„Also eigentlich nicht so gerne. Wissen sie. Unser Leon der ist sehr empfindsam. Es ist ja schon schlimm genug das in der Nachbarschaft jemand..."

Sie machte eine Pause deute auf Julchen.

„Na sie wissen schon. Das mit dem Herrn Brünner. Dazu das Polizeiaufgebot hier gestern Abend. Für die Kinder ist das nicht so einfach zu verkraften. Mein Mann ist auch eben noch einmal in die Kirche gefahren um mit dem Leon für den Herrn Brünner zu beten.“ 

„Du Jule“, fragte Nina die Kleine. „Was malst du da eigentlich schönes?“

Julchen grinste, sprang auf und zeigte Nina stolz ihr Bild. Nina betrachtet das Kunstwerk.

„Das ist wirklich schön. Sach mal bist du denn schon in der Schule?“

Die Kleine schüttelte den Kopf.

„Nein. Aber ich kann schon bis hundert zählen und alle Buchstaben schreiben. Ich hab auch schon einen Schulranzen. Magst du den mal sehen?“

Noch bevor sie antworten konnte flitzte Julchen los. Nina hielt der Latzhosenmama das Bild hin.

„Schon toll was Kinder alles registrieren.“

Frau Koch und auch Ninas neue Kollegin sahen recht verblüfft aus. Julchens Gemälde zeigte ein schwarzes Auto vor einem Haus über dem die Sonne schien. Das Auto hatte sogar ein Nummernschild K-ZZ-256.